Familienzuwachs und Privatsphäre

Wir waren die Zukunft der Musik (glaubten wir) und je mehr wir angefeindet und belächelt wurden desto mehr waren wir davon überzeugt. Hauptsache wir hatten Spaß und konnte die Leute vor den Kopf und auf die Ohren stoßen. Zumal auch bei uns allen mehr oder weniger ausgeprägte Rampesaumentalitäten vorhanden sind, waren unsere Konzerte damals kleine, schräge Happenings mit Performancecharakter.  Lustige Hüte, große Sonnenbrillen, nackte Haut, Ketten und allerlei schräge Mottos waren unsere Begleiter.

Und wir wollten mehr sein. Also fragten wir Heli, unseren Quoten-Linzer aus Bad-Goisern, ob er denn in unserem exquisiten, avantgardistischen Klub beitreten wolle. Und er wollt. So waren wir zu viert. Wie die Beatles. Und beinahe auch schon so erfolgreich und berühmt. Zumindest berüchtigt. Wir waren wie die Freaks in einem fahrenden Wanderzirkus zur Jahrhundertwende. Wir wurden begafft, belächelt, bemitleidet, beklatscht, begafft, betatscht  und herumgereicht. Nichts und niemand war vor uns sicher. Und das gefiel uns. Kein Ansatz war uns zu radikal, keine Peinlichkeit zu tief und kein Ton zu schräg. Ich weiß nicht genau wie oft uns während eines unserer frühen Auftritten der Strom abgedreht wurde. Aber es waren sicher 4-5 mal.(B72, Shelter...????)

Das Spielen auf  Geburtstagsfeiern hatten wir uns als leibgewonnen Macke beibehalten. Mit der Zeit erweiterten wir diese um eine Facette. Wir spielten auch immer öfters auf  Privat-Partys. In irgendwelchen Wohnungen zu spielen hatte für uns einen besonderen Reiz. In die Privatsphäre andere Leute einzudringen und dort unsere „Magie“ zu entfalten und die Anwesenden mit unseren Konzerten zu beglücken war für uns eine neue Erfahrung und das Vordringen in die nächsten Dimension.

Und wir wollten noch mehr. Immer mehr. Wir waren unersättlich. Also heuerten wir unseren alten Freund und Gesinnungsgenossen Klaus an. Und  somit waren wir zu fünft. Fünf Freunde auf dem Weg in eine ungewisse Zukunft, die Herzen und Hirne voll mit Ideen, Träume, wilden Fantasien und allerlei lustigem Stumpfsinn. Jeder der hehauptet, dass die Antwort auf alles Andere, zu dieser Zeit oft unter Drogen und Alkoholeinfluss gespielt hat, der hat Recht, wird aber dennoch wegen Rufschädigung geklagt. Wir legten immer mehr Wert auf die Inszenierungen unsrer Konzerte. Wir fielen damals öfters bei meiner Cousine Claudia ein,  um den bei ihr gelagerten Happy-Fundus zu plündern und uns in die Mottenschale zu werfen.

Was Andy Warhol und seine Factory für das New York der 60-er und 70-er Jahre war, waren wir für Ottakring und Umgebung der Mitte 90-er. Zumindest in unseren Augen . Und wir waren es mit ganzem Herzen, aus voller Überzeugung und mit allem uns zur Verfügung stehendem Einsatz.